Willi Heinrich     Der Autor und sein Werk
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Biografische Skizze

 

Willi Heinrich ist nicht der Showautor; keiner der sich selbst inszenierenden, noch das letzte entlegene Detail der eigenen Vita ins so genannte Image einbringenden Schriftsteller-Narzisse, wie sie sich bis in Handkesche Literaturhöhen gegenwärtig so peinlich egozentrisch spreizen. Jede derartige, die eigene Bedeutung für den Weltlauf überschätzende Attitüde widerspräche dem vielmehr ins Unauffällige, Schlichte tendierenden Habitus dieses Mannes, der sich durch Talent und Arbeit ausweist und sonst nichts. Heinrichs Angaben zur Person sind knapp, auf Sachlichkeit bedacht und eher darauf, das zu betonen, was nicht besonders war, nicht anders ablief als bei den meisten, ja fast allen seiner Generation, der wenig Zeit blieb zur Kultivierung ihrer persönlichen Note: Geboren 9. 8. 1920 in Heidelberg. Besuch der Grundschule 1926 bis 1934 in Karlsruhe. Besuch der Handelsschule 1934 bis 1937, ebenfalls Karlsruhe. Anschließend ein Jahr kaufmännischer Angestellter. 1938 zum Arbeitsdienst eingezogen, 1939 zur Wehrmacht. Wehrdienst 1939 zuerst in Heilbronn, später in Pribram in der annektierten CSSR. Ausbildung als Funker. 1941 bis zur Kapitulation im Mai 1945 Einsatz bei einer Jägerdivision in Russland (fünfmal verwundet). Nach der Heimkehr 1946 Übernahme der kommissarischen Leitung eines Einzelhandelsgeschäfts in Karlsruhe; darauf wiederum kaufmännischer Angestellter bis 1954.

Seit 1952 schrieb Heinrich zwei Jahre lang abends und an freien Wochenenden an seinem Roman Das geduldige Fleisch, durch den er der traumatischen Erfahrungen des Krieges Herr zu werden hoffte. Elf Verlage lehnten das Manuskript ab, ehe das Buch 1955 erscheinen konnte, mit dem der bislang völlig unbekannte Mann geradezu von einem Tag auf den andern Weltruhm erlangte. Der überwältigende Erfolg seines Erstlings gestattete es Heinrich - den der Arzt vor die Alternative: bürgerlicher Beruf oder Weiterschreiben gestellt hatte, beides zusammen ginge nicht mehr - , das Wagnis der Existenz eines freien Autors auf sich zu nehmen. Ebenfalls 1955 erfolgte die Eheschließung, 1957 Übersiedlung nach Baden-Baden, 1962 ins stillere, abseitige Bühlertal.

Nach Erscheinen von Das geduldige Fleisch - so der Autor - lehnte der gleiche Verlag den zweiten Kriegsroman Der goldene Tisch in vorgelegter Fassung ab und wünschte substantielle Veränderungen, da angeblich die deutschen Generäle zu negativ gezeichnet seien. Solches Ansinnen wies Heinrich zurück und bot den unveränderten Text gleichzeitig Stahlberg, Karlsruhe, und S. Fischer an. Beide Verlage entschlossen sich innerhalb weniger Tage, das Buch herauszubringen. “ Aus persönlichen Gründen gab ich Stahlberg den Vorzug, sicherte jedoch S. Fischer ein späteres Manuskript zu “. Tatsächlich erschien dann bei Fischer der Roman Alte Häuser sterben nicht. Stahlberg veröffentlichte noch Die Gezeichneten, mit denen Heinrich erstmals - und ehe es Mode wurde - sich dem Thema unbewältigter Vergangenheit in der deutschen Nachkriegsgesellschaft zuwandte.

Waren schon zuvor die Romane Heinrichs im Ausland, namentlich in den USA, noch erfolgreicher gewesen als in der Bundesrepublik, so verschärfte sich nun diese Diskrepanz, nicht zuletzt unter dem Einfluss einer überwiegend politisch konservativ oder auch allzu literarisch - traditionalistisch gestimmten Kritik. Erst die von Karl Ludwig Leonhardt hergestellte Verbindung zum Hause Bertelsmann, zunächst zum Verlag Rütten & Loening (damals in Bertelsmann-Besitz), erbrachte den großen Durchbruch auch im deutschen Bereich:

Vor allem der Roman gegen das Rassen - Ressentiment Gottes zweite Garnitur wurde zum Renner. Er wie auch die folgenden Bücher, etwa Maiglöckchen oder ähnlich, Mittlere Reife, Geometrie einer Ehe, fanden ferner die respektvollere Resonanz einer jüngeren Generation von Kritikern, die in Heinrich nun einen ernstzunehmenden Populärautor mit begrüßenswerten aufklärerischen Intentionen zu sehen begannen. Seither stellt W. H« in gelassenem, doch verlässlichem Zweijahresrhythmus Buch um Buch fertig - auch hier jeder manischen Hektik fern, die sich unablässig im Gespräch halten will. Und blieb dabei unbeirrt, auch als die Konjunktur schicker Zeitflucht, genannt Nostalgie, begann; blieb sich und seinem einmal gewählten Konzept treu: an den Problemen der Gegenwart nicht vorbeizuschreiben, aktuell zu sein, für diejenigen, um die es ihm geht, die er in ihrer Sprache ansprechen will: die vielen, denen ein Koeppen oder Arno Schmidt zu hoch, das Groschenheft aber, nun wirklich, zu flach ist.

 

von Heinz Puknus

 

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