Willi Heinrich     Der Autor und sein Werk
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Statement

 

Dies ist das letzte Manuskript an dem Willi Heinrich in den letzten Tagen vor seinem Tod arbeitete. Leider hatte er nicht mehr genug Zeit um es zu vollenden.

 

In meinen täglichen Aufzeichnungen weise ich meinen Verleger der neunziger Jahre als eine Persönlichkeit aus, die, zumindest in zwei Fällen, a.) nicht nur gegen das Urheberrecht verstieß, b.) wegen zu geringer Werbeaktivitäten für einen meiner Titel vom Landgericht München musterhaft zu einer Geldstrafe von nahezu DM 13.000,-- verurteilt wurde, und c.) sich mittels arglistiger Täuschung auch in den Besitz fast meines gesamten Lebenswerkes brachte, um es danach, zumal was die Taschenbuchausgabe betrifft, in einem groben Verstoß gegen geltendes Lizenzrecht zu verramschen, sodass ihrer weiteren Verramschung Tür und Tor geöffnet war und ich fortan in aller Öffentlichkeit verbreiten darf, von ihm belogen und getäuscht worden zu sein.

Hilfreiche Unterstützung in meinem nahezu sechsjährigen, bei einem zeitweisen Streitwert von über einer Million Mark gegen ihn geführten Prozess, fand er nicht nur in Kreisen ranghoher Persönlichkeiten des deutschen Wirtschafts- und Geisteslebens, deren Wertschätzung ich mir mit mindestens zwei meiner zeit- und gesellschaftskritischen Romane unwiderruflich verscherzt haben dürfte, sondern vernehmlich auch bei meiner ehemaligen Karlsruher Hausbank, die sich als ein Institut erwies, bei dem, soweit es mich persönlich betrifft, keine Gewähr dafür gegeben war, dass das Bankgeheimnis gewahrt blieb und ein langjähriger Kunde in einem überlebenswichtigen Prozess von ihr nicht hinterrücks verkauft und verraten wurde, wobei das angebliche Kaufinteresse ihres heutigen Vorstandsvorsitzenden an unserer Penthousewohnung sich gleichfalls als arglistige Täuschung erwies, wodurch meine Frau und ich für einen späteren Verkauf unwiederbringliche Zeit verloren.

Aber auch das sonstige Verhalten meiner ehemaligen Karlsruher Hausbank war, wiederum soweit es mich selbst betraf, mit dem eines seriösen Bankhauses wohl kaum in Einklang zu bringen. So zum Beispiel mit dem eklatanten Verstoß gegen Treu und Glauben meine und meiner Frau bereits geführten Verkaufsgespräche mit acht namhafte Maklern mittels später uneingelöster Zusagen zu unterbinden und sie einer ihr geschäftlich eng liierten Immobiliengesellschaft in der Weise zu übertragen, unsere Wohnung einerseits zum vereinbarten Verkaufspreis von nahezu einer Million Mark zu inserieren, sie jedoch zeitgleich und ohne vorheriger Absprache mit uns in ihren Filialen mit einem Nachlass von DM 241.000,-- anzubieten, wodurch sie als seriöses Kaufobjekt nicht nur in Fachkreisen irreparabel diskreditiert wurde und das Höchstgebot beim ersten Versteigerungstermin mit EUR 120.000,-- weit unterhalb der gesetzlichen Anforderungen lag und vom Amtsgericht abgelehnt werden musste. Insofern kann die Frage, ob es Zusammenhänge zwischen obigem unseriösen Verhalten der Bank und dem schlechten Ergebnis bei der ersten Zwangsversteigerung gibt, nicht unberücksichtigt bleiben. Noch mit Schreiben vom 22.10.2002 an das Amtsgericht Karlsruhe erwähnte die Bank eine hausinterne Wertermittlung über 419.647,--, stellte sie jedoch mit dem Hinweis, dass sie zweieinhalb Jahre alt sei, auch wieder in Frage. Und dies, obwohl ihre noch heute leitenden Herren in meiner und in Gegenwart meiner Frau mehrfach ihre Überzeugungen äußerten, dass es in Karlsruhe eine zweite Wohnung wie diese nicht gebe. Im Übrigen war laut Vertrag die Rückzahlung der Kredite immer vom Verkauf der Wohnung oder vom Ende meines gegen meinen Verleger geführten Prozesses vereinbart gewesen, zu dessen für ihn glücklichen Ausgang unsere ehemalige Hausbank nicht unwesentlich beigetragen haben dürfte.

Selbst bei Berücksichtigung der legitimen Eigeninteressen unserer ehemaligen Hausbank lässt sich ihre Verhaltensweise nicht einmal mit dem für sie gewiss unvorteilhaften Umstand rechtfertigen, dass ich Teile der Geschäftsleitung einer langjährigen Konspiration mit meinem Prozessgegner überführen konnte, der sich nicht nur Einblick in unseren jeweiligen Kontostand verschaffen konnte, sondern mir durch meinen damaligen Kundenberater auch seine Absicht mitteilen ließ, mich am ausgestreckten Arm verhungern zu lassen. Obgleich ihm dieses Vorhaben in letzter Konsequenz bislang nicht recht gelingen wollte, geriet das Wissen seiner Konspiration mit unserer ehemaligen Hausbank für meine Frau und mich doch mehr und mehr zu einer Art von traumatischem Erlebnis, zumal wir kongruent dazu unseren Prozess gegen ihn führen und uns immer öfter mit dem Verlust unserer Wohnung vertraut machen mussten, wobei die gegen uns ergriffenen Sanktionen der Bank, die bis zu uneingelösten Beiträgen für unsere Krankenversicherung reichten, nicht unwesentlich zu unseren gesundheitlichen Problemen, vor allem bei meiner Frau beigetragen haben durften, zumal die als Grund für die Sanktionen angeführte Höhe der aufgenommenen Kredite weniger unserem schuldhaften Verhalten zuzuschreiben als das Ergebnis einen Komplotts war, sodass die Bank wohl am besten selbst zu beurteilen vermag ob im Falle der von mir angestrebten Wiederaufnahme des gegen meine Frau und mich geführten Prozesses ihr Verlust an öffentlichen Ansehen nicht ungleich größer gewesen wäre als ihr materieller Verlust es nach heutigem Stand ist.

Zu dem oben angesprochenen und seit längerem eingespielten Komplott gesellte sich neben den bereits erwähnten Kreisen aus dem deutschen Wirtschafts- und Geistesleben zuletzt auch noch der meine Frau und mich im Prozess vertretende Rechtsanwalt, der mich mittels einer gleichfalls arglistigen Täuschung daran hinderte, vor dem zuständigen Landgericht alle hier geschilderten Begebenheiten im Rahmen eines mir gerichtlich zugebilligten Nachverfahrens in einer öffentlichen Sitzung vorzutragen, indem er mir völlig wahrheitswidrig nicht nur mitteilte, der vom Gericht angesetzte Termin für ein Nachverfahren sei wegen meiner leidigen Herzprobleme um vier Wochen verschoben worden, sondern mir mit Schreiben vom 07.08.2002 auch noch zusicherte, dass durch den Terminaufschub meine Rechte in keiner Art und Weise geschmälert werden. Das Verfahren könne jeder Zeit ohne jegliche Fristsetzung wieder aufgerufen werden. Erst danach werde das Gericht einen neuen Termin zur mündlichen Verhandlung festsetzen. - Dazu bleibt festzustellen, dass der Antrag meiner früheren Hausbank auf Zwangsversteigerung unserer Wohnung am gleichen Tage erfolgte, als ich den Nachverfahrenstermin vor dem Landgericht Karlsruhe nicht wahrnahm, weil ich von unserem Prozessbevollmächtigten mit einer arglistigen Täuschung davon abgehalten wurde.

Selbst bei großmütigem Verständnis für das Desinteresse unserer ehemaligen Hausbank, uns Gelegenheit zu geben, in einer öffentlichen Sitzung des Landgerichts eine Gegenrechnung zu ihrer Klage aufzumachen: Weshalb auch unserer Prozessvertreter kein Interesse daran hatte und welche Personen und Interessen sich dahinter verbergen, wissen nur sie und er selbst. Zwar hätte in einem solchen Fall von meiner Frau und mir das Recht in Anspruch genommen werden können, dass die Anfechtung einer arglistigen Täuschung die Nichtigkeit des Rechtsgeschäfts von Anfang an bewirkt, was dann wohl zu der von mir gewünschten Wiederaufnahme des Prozesses hätte führen können, aber dies wäre nur anlässlich des von unseren Prozessbevollmächtigten hintertriebenen Nachverfahrens möglich gewesen - oder wenn, wie uns von einem Kaufinteressenten berichtet wurde, unsere ehemalige Hausbank angeblich sich selbst mit der Absicht einer Erstehung der Wohnung trug, um danach, wie verlautet, meine Frau und mich kurzerhand auf die Strasse zu setzen, wovon sie jedoch, aus oben genannten Gründen, noch rechtzeitig Abstand nahm und das Problem den Erstehern unserer Wohnung überließ, die es wiederum auf ihre sehr persönliche Weise lösten.

Soweit es unseren Prozessbevollmächtigten betrifft, so erfolgte sein Verhalten für meine Frau und mich um so unverständlicher, als er in seinem Schriftsatz vom 06.03.2002 das Landgericht Karlsruhe noch um eine Frist für seine Verteidigungsbereitschaft bat, “weil die Beklagte sich derzeit in einem gesundheitlich sehr schlechten Zustand befinde. Sie habe nacheinander 2 Schlaganfälle erlitten. Der Beklagte, der sich aufopfernd um seine Ehefrau kümmere, sei selbst gesundheitlich erheblich angeschlagen.” Zwar hätte auch ein anderer Anwalt an seiner Stelle den Verlust unserer Wohnung nicht verhindern können, aber unter dessen Federführung doch wohl kaum zu Bedingungen, die es unserer ehemaligen Hausbank ermöglichten, meine Frau und mich auch noch für unsere traurige Erfahrung zu bestrafen, dass sie zu Handlungen fähig war, die sich von denen unseres Prozessbevollmächtigten, zumindest sozial und ethisch gesehen, kaum noch unterschieden. Oder durch zusätzliche schwerwiegende Maßnahmen (z.B. Schufa-Eintrag) unsere ohnehin mühsame Suche nach einer Mietwohnung, in der auch unsere ebenso große wie sanfte Pyrenäenhündin Änni (+) “ein warmes Plätzchen fände”, noch ungleich mühsamer zu machen.

Was die Verhaltensweise unseres Prozessbevollmächtigten für mich auch heute noch völlig unverständlich macht, ist der Umstand, dass er mir mit seinem an mich gerichteten Schreiben vom 08.07.2002 das Eingeständnis seiner arglistigen Täuschung, mit dem er mich beim Landgericht Karlsruhe für mein Fernbleiben beim Nachverfahren entschuldigt und in meinem Namen um eine Verlegung des Termins gebeten hatte, in die Hände gab und damit nicht nur seiner namhaften Kanzlei großen Schaden zufügte, sondern sehenden Auges auch seinen eigenen beruflichen Niedergang einleitete. Ob er sich, von plötzlichen Gewissensbissen geplagt, zu seinem Brief entschlossen hatte oder andere Gründe dafür ursächlich waren, sollte zumindest seinem Angedenken, das er sich bei meiner ehemaligen Hausbank verdient hatte, keinen Abbruch tun.

Mit Schreiben vom 13.10.2003 teilte das Landgericht Karlsruhe mir den Antrag seiner Kanzlei auf Festsetzung seiner Gebühren mit. In meiner Antwort machte ich Einwendungen geltend, weil ich das ihm anvertraute Auftragsverhältnis als nicht erfüllt ansehen konnte. Entsprechend erging mit Datum vom 28.01.2004 der Beschluss, den Antrag auf Festsetzung der Gebühren und Auslagen zurückzuweisen, weil Einwendungen erhoben wurden, die nicht im Gebührenrecht enthalten sind - u.a. Schlechterfüllung - und die Festsetzung daher abzulehnen war. (Womit unser Prozessbevollmächtigter der amtlich bestätigten arglistigen Täuschung überführt war, obwohl er mir am 02.10.2001 noch so einfühlsam schrieb, “dass der Werdegang des Engagements der Bank sich wie einer meiner Romane lese und sich aus ihm vielleicht schriftstellerisch etwas machen lasse.”)

Mit dem Beschluss des Landgerichts wurde unser Prozessbevollmächtigter auch zu einem Fall für die zuständige Rechtsanwaltskammer, wo er persönlich in verantwortungsvollen Bereichen tätig war und vielleicht auch zur Klärung der Frage hätte beitragen können, ob unsere ehemalige Hausbank als Nutznießerin seiner Schlechterfüllung davon wusste. Denn wäre dies der Fall, so ließe sich angesichts der ärgerlichen Probleme, die ich ihr im Lauf der Jahre mit meinen PCs schon bereitet habe, eine heimliche Genugtuung ebenso nachvollziehen wie ihr vielleicht gleichfalls insgeheimer Wunsch, meine Bücher (wie indessen geschehen) auf einer Karlsruher Müllhalde und meinen PC und mich in einem relativ weitab gelegenen Seniorenheim - was übrigens meinem eigenen Wunsch entsprach - den Blicken auch noch der letzten der mir gebliebenen Leser unwiderruflich entrückt zu wissen; es sei denn, sie wenden sich an das Howard Gotlieb Archival, Research Center, Boston University, wo unabhängig von allen Wechselfällen eines schriftstellerischen Daseins, jene meiner Bücher, die ich nur ungern missen möchte, in einer Willi-Heinrich-Collection zeitgeistlos aufbewahrt sind. Im Übrigen hatten sämtliche hier namentlich zwar noch ungenannten, jedoch überwiegend im meinem und meiner Frau ehemaligen Wohnsitz präsenten Personen und Institute hinlänglich Gelegenheit, mit einer einstweiligen Verfügung gegen meine, auch gerichtsbekannten Anschuldigungen vorzugehen, sodass ihr kollektiver Verzicht vielleicht als stillschweigende Schuldanerkenntnis angesehen werden darf.

Wohl als Folge des unbefriedigenden Ergebnisses der ersten Zwangsversteigerung, zu der meine ehemalige Hausbank mit ihrer Doppelstrategie eines gegen Treu und Glauben verstoßenden Sonderangebots in ihren Filialen einen nicht unwesentlichen Beitrag leistete, traf drei Wochen vor dem zweiten Zwangsversteigerungstermin vom Amtsgericht Stuttgart ein Mahnbescheid des Vorstands unserer ehemaligen Hausbank mit der Forderung nach EUR 180.000,-- ein, wobei es sich u.a. wohl auch um jenen Betrag handelte, von dem sie nach allem, was bisher geschehen war, ausgehen durfte, mit der zweiten Zwangsversteigerung allein ihre Forderung nicht würde einbringen können, zumal sie bereits mit ihrem Schreiben vom 04.05.2001 meiner Frau ankündigte sie aus der von ihr übernommenen Bürgschaft in Anspruch zu nehmen und, sofern die Sichertheitsverwertung zur Realisierung ihrer Forderung nicht ausreiche, das gerichtliche Mahnverfahren gegen sie einzuleiten. Ob sie mit diesem Schreiben wenige Wochen später nicht unbeträchtlich zum zweiten Schlaganfall meiner Frau beigetragen haben könnte, kann hier weder unterstellt, noch völlig ausgeschlossen werden. Im Mahnbescheid des Amtsgerichts Stuttgart werde ich aufgefordert, innerhalb zwei Wochen seit Zustellung dieses Bescheids entweder die vorstehend bezeichneten Beträge, soweit ich den geltend gemachten Anspruch als begründet ansehe, zu begleichen, oder dem Gericht auf beigefügtem Vordruck mitzuteilen, ob und in welchem Umfang ich dem Anspruch widerspreche, da andernfalls nach Ablauf der Frist ein Vollstreckungsbescheid erwirkt werde. Im Falle eines streitigen Verfahrens solle auf Wunsch des Antragstellers vor dem Landgericht Karlsruhe verhandelt werden, womit die Frage, warum sich unsere ehemalige Hausbank mit ihrem Antrag dann nicht gleich an dieses, sondern an das Amtsgericht Stuttgart wandte, meiner Frau und mir ebenso unverständlich erschien wie der Umstand, dass es sich bei den EUR 180.000,-- laut Mahnbescheid um jenen Betrag handelte, mit dem wir am 31.05.2001 unser Konto 12882 bei unserer ehemaligen Hausbank überzogen hatten und dass sie, als sie am 2. April 2004 beim Amtsgericht Stuttgart zur Reaktivierung jener Geschäftsverbindung schritt, die sie mit Schreiben vom 10.05.2001 ausnahmslos gekündigt hatte, nach unseren laienhaften Verständnis auch allen nachfolgenden Geschehnissen, inklusive den gegen uns geführten Prozess nebst Zwangsversteigerung unserer Wohnung den juristischen Boden entzogen haben müsste. Weil es jedoch als wenig wahrscheinlich anzusehen war, ihr könnten diese Möglichkeiten bei Abfassung ihres Mahnbescheids entgangen sein, haben meine Frau und ich es in Wirklichkeit ausschließlich mit den EUR 180.000,-- vom 31.05.2001 zu tun, die nach den vom Amtsgericht Stuttgart errechneten Zinsen bis zum 2. April 2004 auf EUR 218.251,40 angewachsen waren und sich seither mit laufenden Zinsen von 5.000 Prozentpunkten über dem jeweils gültigen Basiszinssatz aus EUR 180.000,-- weiterhin erhöhen werden.

Der mit ihrem Mahnbescheid sozusagen aus unserer offenen Flanke geführte Überraschungscoup unserer ehemaligen Hausbank traf meine Frau und mich um so empfindlicher, als wir bereits mit allen unseren Sinnen auf den in drei Wochen angesetzten zweiten Zwangsversteigerungstermin fixiert und nach Wegfall unseres Prozessbevollmächtigten nur noch auf uns selbst angewiesen waren, zumal uns über den Ausgang des später vom Landgericht Karlsruhe durchzuführenden streitigen Verfahrens eine vernehmliche Kunde nie zuteil wurde; es sei denn, die Minimierung der Stuttgarter Forderung unserer ehemaligen Hausbank von damals EUR 218.000,-- auf die uns heute bekannte aktuelle, von der noch zu berichten sein wird, böte Erklärung und Beschluss zugleich. Der Umstand, dass ich umgehend Einspruch einlegte und wir in diesem Fall unser weiteres Schicksal wieder einmal in der Zuständigkeit des Landgerichts Karlsruhe wussten, ließ uns den neuesten Schachzug unserer ehemaligen Hausbank, zumindest kurzfristig, relativ rasch vergessen, zumal die bereits mehrfach erwähnte zweite Zwangsversteigerung mit einem Höchstgebot von EUR 270.000,-- vom Amtsgericht Karlsruhe, wenn auch mit EUR 52.000,-- unter dem Amtlichen Schätzwert liegend, den Zuschlag erhielt.

Beim ersten Besuch der Käufer unserer Wohnung, hier fortan Ersteher genannt, wurde meiner Frau und mir bald ersichtlich, dass sie über unsere allgemeine wirtschaftliche Situation mehr als nur hinreichend informiert waren, denn anders hätte sich ihr ebenso frühes wie kulant anmutendes Angebot, uns nicht nur noch drei Monate in ihrem Penthaus zu dulden, sondern auch für unsere Umzugskosten und die Entrümplung aufzukommen, ohne gründliches Nachdenken nicht verstehen lassen, und auch dann blieben mehr Fragen offen als zufriedenstellend beantwortet. Es sei denn, die Ersteher hätten persönliche Gründe, den Bezug nicht zu übereilen. Unberücksichtigt bei ihrem großmütigen Angebot blieb allerdings auch der Umstand, dass wir das gesamte Einbaumobiliar, einschließlich Küche, Garderobe, Schlafzimmerschränke, Wohnzimmerschrank sowie die nahezu komplette Einrichtung meines Arbeitszimmers mit einer heute kaum mehr abschätzbaren Zahl von Büchern zurücklassen und in unserer künftigen Wohnung, soweit dort überhaupt unterbringbar, neu hätten anschaffen müssen, wozu wir - glücklicherweise - ohnehin nicht mehr in der Lage waren. Trotz der bereits eingangs erwähnten Probleme bei unserer Suche stießen meine Frau und ich Ende Juli 2004, also noch vor Ablauf der uns von den Erstehern eingeräumten 3-Monats-Frist, in Iffezheim auf eine Betreute Wohnung, die uns bei einem Telefonat mit der Verwaltung als noch frei gemeldet und auch die Aufnahme unserer handzahmen Änni einvernehmlich mit der Vermieterin zugesichert wurde. Bei der Besichtigung der Wohnung, die, ein für uns nicht unbeträchtlicher Nachteil, ohne Einbauküche war, erklärten meine Frau und ich uns dennoch unter der nochmaligen Voraussetzung, auch Änni einbringen zu können, mit einem Vertrag einverstanden. Überraschend erhielten wir am nächsten Tag Besuch vom Geschäftsführer und Bauträger der Betreuungsanlage in Iffezheim. Unsere ihm anlässlich seines Besuchs geschilderten finanziellen Probleme, einschließlich eines bei der Postbank München aufgenommenen Kredits, erschienen ihm in Anbetracht unseres festen Renteneinkommens nicht von Belang, und auch unsere Änni, von deren sanften Wesen einen persönlichen Eindruck zu gewinnen er bei seinem Besuch ausreichend Gelegenheit hatte, fand seine Zustimmung. Er vereinbarte für den nächsten Vormittag zwecks Vertragsunterzeichnung einen Termin, bei dem auch die Vermieterin anwesend war. Bei dieser Begegnung musste er uns jedoch zu seinem Bedauern mitteilen, dass sie nun doch nicht mehr willens sei, auch die Änni aufzunehmen. Ob der Grund für ihre plötzliche Meinungsänderung nicht viel eher das kurz zuvor bei ihm eingetroffene Fax der Ersteherin unserer Penthousewohnung war, worin diese sich bereit erklärte, ”im Fall, dass die Eheleute Erika und Wilhelm Heinrich, aus meiner Eigentumswohnung ausziehen, deren Umzugskosten nach Iffezheim und die Mietkaution der neuen Wohnung im Betreuten Wohnen Iffezheim über EUR 1.300,-- zu übernehmen”, sei dahingestellt.

Ob das Fax für alle Fälle vorgesehen war, in denen sich ein Erfolg unserer Wohnungssuche anbahnte, oder ob in diesem besonderen Fall auch der Besuch des Bauträgers, als die Penthousewohnung bereits die ersten, viel versprechenden Ergebnisse ihrer Ersteher aufwies, sie für meine Frau und mich unbenutzbar zu machen, zusätzlich beitrug, sei hier gleichfalls nicht unterstellt. Sicher jedoch dürfte sein, dass sie vom Besuch des Bauträgers erfahren und daraus wohl geschlossen hatten, wie ernsthaft er persönlich darum bemüht war, mit uns zu einem Abschluss zu kommen. Unabhängig davon, ob er mich der Vermieterin als bekannten (oder weniger bekannten) Schriftsteller empfohlen hatte - den er, worauf auch sein Besuch in Karlsruhe hindeutete, vielleicht selbst gerne in seine Anlage eingebracht hätte -, musste der Umstand, dass wir nur mit Hilfe der Ersteher unserer Wohnung für den Umzug und die Kaution aufkommen konnten, bei der Vermieterin die Befürchtung wecken, es könnte ihr eines Tages genauso ergehen wie ihnen, zumal das Fax - vielleicht nicht ungewollt - auch noch den Eindruck erweckte, wir würden die Wohnung seit ihrer Versteigerung am 22. April 2004, also seit drei Monaten, widerrechtlich besetzt halten. Eine Befürchtung, in der sich die Iffezheimer Vermieterin vielleicht auch noch hätte bestärkt fühlen müssen, wäre ihr zu Augen gekommen, dass wir für die künftige Nutzung ihres Küchenraums nur jene winzige Kochplatte hätten einbringen können, die uns verblieben war, seit die Ersteher unserer Wohnung auch noch die Reste unserer großen Einbauküche auf jener Karlsruher Müllhalde verbracht hatten, wo auch schon fast meine sämtlichen Bücher ruhten. Auch dass die Vermieterin der Iffezheimer Wohnung vielleicht aus Gründen der Pietät es vorzog, sich für ihre Ablehnung auf die Änni und nicht auf unsere, ihr aus dem Fax ersichtlich gewordenen wirtschaftlichen Misere zu berufen, wird sich nachträglich mit letzter Sicherheit kaum mehr feststellen lassen. Als einigermaßen sicher hingegen darf angenommen werden, dass auch der Bauträger der Iffezheimer Anlage nach Kenntnis des Umstands, dass wir bei den Umzugskosten und der Mietkaution auf die Hilfe der Ersteher unserer Wohnung angewiesen waren, von mir enttäuscht sein musste, weil ich sie ihm, wohl in der fälschlichen Annahme, es handle sich bei der zwischen den Erstehern und mir getroffenen Vereinbarung vielleicht um eine Art von Gentlemans Agreement, in ihrem eigenen Interesse meinte verschweigen zu müssen, weil sie andernfalls, so meine Überlegung, selbst damit hätten rechnen müssen, uns, zumindest in Iffezheim, noch nicht loszuwerden. Ob dies ohnehin und grundsätzlich ihre Erwartungshaltung war, kann auch hier nicht unterstellt werden, aber nach meinen ersten Erkenntnissen, dass unser Umzug nicht von einer der Ersteherin unserer Wohnung, weil wir in Iffezheim den vereinbarten Räumungstermin notgedrungen überziehen mussten, zum Anlass genommen, nicht nur die Penthousewohnung zum nunmehr überwiegenden Teil unbenutzbar, sondern auch meinen PC, inklusive Internetanschluß, sowie fast unsere gesamte Telefonanlage unbrauchbar zu machen und er nur noch mit polizeilicher Hilfe dazu bewogen werden konnte, seinen unbändigen Zorn wieder in den Griff zu bekommen. Zumal durch unsere unfreiwillig verlängerten Aufenthalt für die Ersteher nunmehr ein echter Anlass gegeben war, sich an ihre Zusage, für Umzugskosten und Mietkaution aufzukommen, nach Recht und Gesetz nicht mehr gebunden zuprofessionellen Speditionsfirma, sondern vom Lebensgefährten der Ersteherin mit Hilfe des gleichen Mitarbeiters und des gleichen Fahrzeugs, mit denen sie schon meine Bücher und die Einbauküche auf die Karlsruher Müllhalde brachten, vonstatten gehen sollte, waren erste Zweifel am Goodwill der Ersteher meine ständigen Begleiter gewesen. Heute ist es mir einigermaßen gleichgültig, ob ich sie und ihre Motive schon von Anfang an, oder erst nach Iffezheim richtig oder falsch eingeschätzt habe. Zumindest meine Frau, die zum Lebensgefährten der Ersteherin unserer Wohnung ein einvernehmlicheres Verhältnis suchte als ich, glaubt auch heute noch an jenen großen Möbelwagen, der, nach den Worten des Lebensgefährten der Ersteherin, vor dem Haus stehen würde, wenn wir am Freitag - das hätte, als er es sagte, in zwei Tagen sein müssen - die Wohnung räumten. Wohin der große Möbelwagen uns dann hätte bringen sollen, das war zu jener Zeit zwischen den Erstehern und uns schon lange kein Thema mehr.

Dies alles schließt einerseits nicht aus, dass die Ersteher, wenn es denn so wäre, nach der Malaise in Iffezheim mit dem Verlauf der Ereignisse zwar hätte zufrieden sein, sich andererseits jedoch aus ihrem Angebot für unsere Umzugskosten aufzukommen schon deshalb nicht hätten entlassen fühlen können, weil wir noch vor Monatsende mit unserer heutigen Wohnung fündig wurden und die Ersteher uns nicht nachzuweisen vermochten, die uns noch verbliebene Zeit für eine Wohnungssuche nicht gründlich genug genutzt zu haben. Dazu zählte auch unser Versuch, im Kurfürstenbad Langensteinach für meine Frau und mich zwei Zimmer zu erhalten. Unsere Aufnahme scheiterte jedoch an der reinen Kostenfrage. Letzteres wurde vom Lebensgefährten  fühlen. Sodass wir uns, weil es zu keinem weiteren Zusammenkünften mehr kam, trotz aller Enttäuschung und unfreundlicher Worte, die wir uns gegenseitig zugefügt und an den Kopf geworfen hatten, in Frieden und ohne Aufhebens von ihnen trennen konnten, wobei die Frage, wer nunmehr für unsere Umzugskosten aufkommen würde, da meine Frau und ich weiterhin nicht in der Lage dazu waren, noch immer einer Lösung bedurfte. Aber die war, ohne dass wir es wussten, bereits auf dem Weg zu uns....

 

Einige Tage später verstarb Willi Heinrich, am 12. Juli 2005, ohne sein letztes Werk je vollendet zu haben.

 

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